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Des Dodes Dantz: die älteste Totentanzdarstellungen im deutschsprachigen Raum

Oct 23, 2015

1. Der Basler Totentanz (1439/40, nicht mehr erhalten), auch als Tod von Basel bekannt, ist ein memento mori, d. h. es erinnert mahnend daran, dass der Tod jeden, ungeachtet seines Standes, plötzlich aus dem Leben reissen kann. Johann Rudolf Feyerabend hat den Totentanz 1806, also nach der Zerstörung, in einer Aquarellkopie nach Kupferstichen von Jaques-Antony Chovin rekonstruiert. Der Reigen beginnt mit Prediger und Beinhausmusik. Es folgen Papst, Kaiser, Kaiserin, König, Königin, Kardinal, Bischof, Herzog, Herzogin, Graf, Abt, Ritter, Jurist, Ratsherr, Chorherr, Arzt, Edelmann, Edelfrau, Kaufmann, Äbtissin, Krüppel, Waldbruder, Jüngling, Wucherer, Jungfrau, Kirchweihmusikant, Herold, Schultheiss, Henker, Narr, Krämer, Blinder, Jude, Heide, Heidin, Koch und Bauer. Den Abschluss bilden der Sündenfall, der Maler und seine Frau, sowie eine Ansicht der Dominikanerkirche. Foto: Historisches Museum Basel (Wunderlich, 2001)

(Kaiser 2002: 228, 240, 248)

2. Tanz der Gerippe, Holzschnitt von Michael Wolgemut in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493

Tanz der Gerippe Michael Wolgemuth (1434-1519), Nürnberg, 1493, Holzschnitt, koloriert, 410 x 280 mm, Graphiksammlung "Mensch und Tod," der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf (Hülsen-Esch, 2006)

(Helm 1928)

3. Die Braut, #34 aus dem Hans Holbein's Todtentanz (1526) in 53 getreu nach den Holzschnitten lithographierten Blättern.

Jer. 7. o. 34. Ich will wegnehmen
das Geschrei der Wonne, und die
Stimme des Bräutigams und der Braut.

Der Tod: Der Braut geziemt der neuen Moden Zier;
Wohlan, ein seltsam Kettlein bring ich ihr,
Wie sie noch keines trug, von Todtenbein;
Denn heut noch, Grabgenoffin, bist du mein. (Schlotthauer 1832)

Beinhausmusik. Der jüngste ortsgebundene Zyklus nach Hans Holbeins Der Triumph des Todes (#5) wurde 1838 für den Friedhof in Wasserburg geschaffen (nur acht Szenen als Ölgemälde).

Apost. 8 a.13. Wehe, wehe, wehe
Denen die auf Erden mohnen.

Genes. 7, a.21 u 22. Da gieng
alles Fleisch unter, das auf Erden
kreucht. Alles was einen lebendigen
Odem hatte - das starb (Wunderlich, 2001).

4. Das Titelbild zu Kiesers konfessionsneutrale Holbein-Kopien, die 1648 in einem protestantischen Erbauungsbuch aus Nürnberg auftauschten. Der Verleger sorgte nicht nur für neue Texte, sondern fügte außerdem einen Kreisreigen als Titelbild hinzu (Wunderlich, 2001).

Totentanz auf dem Flugblatt. Vulneris en nostri certa solnq medela. Nürnberg: Paulus Fürst, um 1650. Das Totentanzflugblatt von Paulus Fürst wird von zwölf ovalen Medaillons gerahmt, in denen je ein Gerippe mit männlichen Ständevertretern tanzt. (Frey, Egger 2000, 169)

Hans Holbeins Initial-Buchstaben mit dem Todtentanz. Nach Hans Lutzelburgers Original-Holzschnitten. Im Dresdner Kabinet zum ersten Mal treu kopiert von Heinrich Loedel. Göttingen, im Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1849 (Frey, Egger 2000, 194)

5. Der Bleibacher Totentanz mit einer Gruppe musizierender Gerippe und 33 Tanzpaaren entstand 1723 in der früher freistehenden Beinhauskapelle neben der Pfarrkirche St. Georg in Bleibach und ist bis heute vollständig erhalten geblieben. Der Totentanz lehnt sich in Gestaltung und Aussage an die Totentänze von Basel (1440) und die Holzschnitte von Hans Holbein d. J. (1526) an. Er ist einer der wenigen, noch erhaltenen Totentänze in Europa. Das Beinhaus wurde 1976/77 renoviert.

(Wunderlich, 2001)


«Sechs Sensenmänner spielen mit merkwürdigen, makabren Instrumenten die Weise vom Tod. Der Geiger, dessen Bogen ein Sensenblatt ist, spielt die Melodie, mit Arm- und Oberschenkelknochen schlägt der Trommler (mit dem Gerippe an der Kesselpauke) den Rhythmusund aus der Trompete erklingt nach dem Spruchband die Mahnung: Mein Trompetenschall bringt Freud oder Truebsal in Ewigkeit. Krummhorn und Zinken dienen als Begleitmusik».(Hermann Trenkle)

Quellen:

1. Wunderlich, Uli. Der Tanz in den Tod: Totentänze von Mittelalter bis zur Gegenwart. Freiburg: 2001

2. Schlotthauer, Joseph. Hans Holbeins Todtentanz in 53 getreu nach den Holzschnitten lithographirten Blättern. München : Schlotthauer, 1832

3. Kaiser, Gert. Der tanzende Tod : mittelalterliche Totentänze. Frankfurt am Main: 2002

4. Frey, Winfried; Egger, Franz. "Ihr müßt alle nach meiner Pfeife tanzen" : Totentänze vom 15. bis 20. Jahrhundert aus den Beständen der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel und der Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt. Wiesbaden: Harrassowitz, 2000

5. Helm, Rudolf. Skelett- und Todesdarstellungen bis zum Auftreten der Totentänze. Strassburg : Heitz, 1928

6. Hülsen-Esch, Andrea von. Zum Sterben schön Ausstellungskatalog : : Alter, Totentanz und Sterbekunst von 1500 bis heute; Museum Schnütgen, Köln, 6. September bis 26. November 2006

Titelbild:

Ein der Israhel von Meckenems (1445 – 1503) Medaillons nach den Holzschnitten in der Lübecker Buchausgabe "Des dodes dantz," die die ältesten Totentanz Kupferstiche im deutschsprachigen Raum sind (Der Lübecker Totentanz entstand 1463 wohl unter dem Eindruck des schwarzen Todes, der Pest, in der Marienkirche zu Lübeck, nachdem ein erster Totentanz wohl in La Chaise-Dieu angefertigt wurde). (Wunderlich, 2001)